Umfahrung löst Verkehrsproblem – Tunnel zementiert es

Verkehrsstau

Starnberg muss vom Verkehr entlastet werden (Bildquelle: disq – fotolia.com)

Den Verkehr in Starnberg entlasten – wenn das doch so einfach wäre. Oder könnte es das etwa sein? Losgelöst von Sachargumenten bestimmt seit vielen Jahren eine sehr emotionale Debatte die Aufgabe, Starnberg vom Verkehr zu entlasten. Inzwischen sind viele Starnbergerinnen und Starnberger der Diskussionen überdrüssig: Die einen sehnen sich nach überhaupt einer Lösung. Andere sehen in „Tunnel bauen, Umfahrung planen“ einen Kompromiss zwischen den zerstrittenen Parteien.

Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass der Tunnel in der jetzt beschlossenen Form das Verkehrsproblem in Starnberg nicht löst. Er reduziert den Autoverkehr in der Stadt wesentlich weniger als eine Umfahrung und kostet dazu noch das Dreifache.

Das Bild zeigt den gesamten Stadtverkehr, aufgeteilt nach Durchgangsverkehr (von/nach Süden und Westen und der A96), Ziel- und Quellverkehr und Binnenverkehr nach den letzten Zählungen. Ein Tunnel erfasst davon nur den Durchgangsverkehr und hier auch nur denjenigen von und nach Richtung Süden. Dies ist nur ein kleiner Teil des gesamten Autoverkehrs in der Stadt, der restliche Verkehr bleibt.

Im Stadtgebiet Starnberg gefahrene Kilometer (täglich)

Im Stadtgebiet Starnberg gefahrene Kilometer (täglich)

Dagegen erfasst eine Umfahrung nicht nur den gesamten Durchgangsverkehr sowohl aus Richtung Weilheim als auch aus Westen. Vor allem aber leitet er einen großen Teil des Ziel- und Quellverkehrs aus der Innenstadt weg nach außen auf die Umfahrung. Damit reduziert eine Umfahrung den Stadtverkehr wesentlich stärker als ein Tunnel.

Neben der unzureichenden Entlastung der Innenstadt gibt es noch weitere Argumente gegen den Tunnel:

  • Percha wird dauerhaft von einer Verbindung zu Starnberg abgeschnitten. Der Weg nach Starnberg führt nur über die Autobahn.
  • Mitten in der Stadt, am Gymnasium, entsteht ein Bauwerk, wie wir es vom Mittleren Ring in München her kennen: Eine siebenspurige Straße mit mittiger Tunneleinfahrt. Das beeinträchtigt massiv die Lebensqualität der gesamten Gegend.
  • Die auf der gesamten Tunnellänge entstehenden Abgase der Fahrzeuge werden konzentriert in der Stadtmitte ausgestoßen. Im heute idyllischen Stadtpark entsteht ein Schornstein-Turm mit einer Höhe, die alle Bäume der Umgebung und auch die Wandhöhen des Schlosses überragt.
  • Häufig hört man die Aussage, eine Umfahrung wäre wegen der Durchquerung des Landschaftsschutzgebietes an der Würm nicht genehmigungsfähig. Dies ist Unsinn, denn die sog. „Raumwiderstände“, d.h. alles, was einem Bau im Wege steht, von Landschaftsschutz bis zu notwendigen Grundstücken, waren etwa bei der Westumfahrung größer. Und diese weihen wir ja nächstes Jahr ein.

    Andere bringen vor, „dass uns der Tunnel ja nichts kostet“. Als ob Geld aus Berlin nicht auch unser Geld wäre.

    Unternehmen wir jetzt nichts, trifft uns Starnbergerinnen und Starnberger die Ernüchterung, wenn der Tunnel im Jahr 2030+ eingeweiht wird. Setzen wir uns gemeinsam weiterhin für eine Umfahrung statt Tunnel ein! Nur eine Umfahrung entlastet Starnberg und seine Bürgerinnen und Bürger und kostet nur einen Bruchteil.


    Neueste Nachrichten

    Antrag auf Mediation zur Selbsthilfe (Bild: pictworks/Fotolia.com)
    FDP Starnberg fordert das Abschaffen der Straßenausbaubeiträge (Bild: Thomas Söllner/Fotolia)